Schottland 2013 – Teil 3

Der letzte Teil unserer Reise durch Schottland ist fertig. Viele Eindrücke haben wir erlebt und einiges hier festgehalten.

Morgens in Inveroran

18.08.2013
Eine interessante Nacht liegt hinter uns. Der Wind war so heftig, dass ich mir tatsächlich Sorgen machte. Dazu das laute Prasseln des Regens, so dass der Fluss nicht mehr zu hören war – dabei fliesst dieser 3m am Zelt vorbei. Aber das Zelt steht noch immer und wir sind trocken. Es war so laut, dass wir beide kaum geschlafen haben – nicht zum letzten mal vermisse ich Ohrstöpsel.
Es ist kalt und ich möchte in eine heiße Badewanne klettern. Immer mal wieder regnet es, aber genauso oft schaut die Sonne vorbei. Wir frühstücken: Eine der Trekkingmahlzeiten. Einfach kochendes Wasser rein, fünf Minuten warten und fertig ist das leckerste Frühstück, was wir seit Tagen gegessen haben. Mittlerweile bin ich von dem Trekkingessen überzeugt. Wir nutzen eine Regenpause, packen unser Hab und Gut ein und laufen zurück zum Hotel – Wasser auffüllen. Schließlich setzen wir unsere Wanderung fort. An Victoria Bridge vorbei geht es stetig bergauf. Es wird anstrengend, dabei lief der gestrige Tag so gut. Vor uns liegt der Rannoch Moor – es gibt keine Möglichkeit, Schutz vor Regen zu finden. Die Straße ist weit weg. Gerade letzteres gefällt mir gut. Sonne und Regen wechseln sich ab. Beim Regen wird es richtig kalt, die Sonne lässt uns schwitzen.

Rannoch Moor
Bewölkt

Landschaftlich ist es wieder eine Pracht. Das Moor ist zwar hügelig, man kann aber recht weit sehen. Im Hintergrund sind Berge. Die Kamera kann das gar nicht so gut festhalten. Wir schwächeln, machen viele Pausen und futtern viel. Hinzu kommt der starke Wind, der uns das Leben schwer macht.

Rannoch Moor
Weite

Bereits um 15:00 erreichen wir unsere Tagesetappe: Kingshouse Hotel. Ein kleines Hotel mitten in der Pampa. Im Hintergrund thront Stob Dearg – ein grandioser Berg. Direkt am Hotel fliesst ein Fluss, auf der anderen Seite dürfen wir unser Zellt aufschlagen. Direkt am Wasser bauen wir das Zelt auf – es windet extrem. Halte durch, Zelt!


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Stob Dearg

Schließlich landen wir im Pub, bestellen uns Burger und Bier. Was für ein Leben! Nat setzt zum Essen an – da bin ich bereits fertig und könnte noch so eine Portion vertragen. Zum Nachtisch gönnen wir uns eunen Schoko-Käse-Kuchen mit Sahne und einen warmen Apfelkuchen mit Eis. So gut gestärkt verkriechen wir uns ins Zelt, welches von allen Seiten vom Wind angegriffen wird. Kaum eingeschlafen, werden wir von lärmenden Pub-Besuchern geweckt. Später muss ich vors Zelt und bin vom Sternenhimmel begeistert.

19.08.2013
Die neunte Nacht in Schottland haben wir hinter uns. Es regnet. Ich lese Ready Player One zu ende – das zweite Buch auf dieser Reise. Davor war ich von The Sister Brothers begeistert. Kurz nach 9:00 stapfen wir zum Hotel und fragen nach Kaffee, welchen wir erst ab 10:00 bekommen. Bis dahin packen wir das Zelt zusammen. In der Lounge des Hotel trinken wir Kaffee und bestaunen den wunderbaren Ausblick auf Stob Dearg und Coire na Tulaich. Hier sollen unter anderem Skyfall, Harry Potter und Highlander gedreht worden sein.

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Kurz nach 11:00 stapfen wir los. Bis Altnafeadh kommen wir gut voran, es regnet zwischendurch, aber das ist kein Problem. Da wir nicht gefrühstückt haben, machen wir vor dem nächsten großen Anstieg eine Pause und kochen uns eine Suppe. So gestärkt, gehen wir die Devils’s Staircase an. Es ist anstrengend aber nicht so schlimm, wie der Name klingt. Langsam kommen wir gut voran, machen viele Pausen und genießen die Landschaft mit den weiten Ausblicken. Schließlich erreichen wir den Pass, die Sonne schaut kurz raus und wir haben eine weite Aussicht auf die umliegenden Berge. Wieder mal großartig – und wir sind froh, diese Reise unternommen zu haben.

Highlands
Highlands

Nach einer Pause machen wir uns an den Abstieg: vor uns liegen 7km bis nach Kinlochleven. Es regnet immer mal wieder. Wir sehen einen großen Stausee – das Blackwater Reservoir. Nach und nach laufen wir bergab, was richtig anstrengend wird. Wir werden von einem joggenden Pärchen (mit Rucksäcken) überholt. In Kinlochleven suchen wir ein Hotel auf, wo wir unser Zelt aufschlagen dürfen. Wir gehen einkaufen und stopfen uns voll. Das haben wir uns verdient.

20.08.2013
So eine ruhige Nacht haben wir lange nicht mehr erlebt – kein Wind. Auf der einen Seite schlafen wir wunderbar durch. Auf der anderen Seite erleben wir morgens Massen von Midges, die überall hinkriechen und wirklich lästig werden. Wir verstauen unser Zeug, suchen uns eine zügige Stelle und frühstücken in Ruhe. Vor uns wartet der nächste Anstieg. Den ganzen Tag werden wir von einer größeren Gruppe junger Holländer begleitet, der Weg kommt uns sehr überlaufen vor. Nach einem anstrengenden Anstieg voller Midges erreichen wir einen Pass auf 250m Höhe. Hier folgen wir einer alten Militärstraße. Unter uns liegt Kinlochleven und dahinter der gestrige Pass.

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in den Highlands

Es regnet kurz, sonst haben wir Glück mit dem Wetter. Es sind auch kaum andere Menschen zu sehen. Schön. Wir laufen an zwei alten Farmruinen vorbei.

Tigh-na-sleubhaich

Nachmittags packen wir unser Kochbesteck aus und kochen uns ein Süppchen. Es sollte eine ruhige Pause werden, allerdings müssen wir wieder gegen die Midges kämpfen. So ein Wind ist schon was feines.

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Langsam geht es wieder abwärts. Wo ein Wald sein sollte, sehen wir enorm viele Baumstümpfe – ganze Landstriche sind kahlgeschoren.
Nach 15km beenden wir die Wanderung und suchen nach einem Schlafplatz. Mitten auf dem Wanderweg steht ein Zelt, wir laufen weiter und suchen uns einen eigenen Hügel. Wir haben die Wahl: Entweder sind die Wiesen komplett nass oder voll mit Schafsmist. Wir finden eine relativ trockene Stelle – die Aussicht ist wieder phänomenal. Und so bauen wir das Zelt auf mit dem Blick auf den Ben Nevis, den 1344m höchsten Berg Großbritanniens. Kaum steht das Zelt, fängt es an zu regnen. Mittlerweile kennen wir das.

Auf einem Hügel

Ab ins Zelt uns ausruhen. Beide haben wir Rückenschmerzen, vor allem die Schultern meckern. Ich habe mittlerweile meinen Rucksack gut eingestellt, aber bei Nat gibt es nicht so viele Möglichkeiten. Die Beine melden sich natürlich auch. Ich habe eine weitere Monsterblase am Zeh – die böse aussieht, mich aber sonst nicht stört. Und weil es gerade Juckt: seit einigen Tagen habe ich einen Ausschlag in der Armbeuge – rot und juckt. Nat führt es aufs schwitzen zurück, ich find’s bissl eklig.
Wir kochen uns leckeres Essen: Fertignudeln im Plastikbecher. Heißes Wasser rein, dann noch den Beutel mit Geschmack reinschütten und kurz warten. Das ist in der Tat sehr lecker, besser als das Zeug, was wir aus Deutschland mitgenommen ahben. Danach gibt es die von uns geliebten Allbutter Kekse. Mjam.
Draußen schüttet es und wir machen es uns in unserem Superzelt gemütlich. Während Nat liest, schlafe ich sehr schnell ein.

21.08.2013
Während der Nacht stürmt es ordentlich. Regen und starke Windböen lassen uns zum letzten Mal am Zelt zweifeln. Aber es hält alles aus. Großartige Investition. Leider ist der Morgen noch immer sehr nass. Bis 12 liegen wir im Zelt und der Anti-Regen-Tanz scheint zu wirken. Wir nutzen einen trockenen Moment und packen zusammen. Beim Loslaufen fängt es wieder an zu nieseln. Wir verabschieden uns von diesem großartigen Platz und wandern los. Wir haben kaum noch Trinkwasser, von daher halte ich nach einem Bach Ausschau. Wir frühstücken Chips und Snickers – und quälen uns extreme Steigungen hoch. Es wird richtig warm und trocken. Schließlich sehen wir Fort William unten im Tal. Zur Rechten hüllt sich Ben Nevis in Wolken.

Glen Nevis

Es beginnt ein langer Abstieg ins Tal. Völlig fertig erreichen wir den Campingplatz, doch laut Reiseführer soll noch einer in der Stadt sein. Also laufen wir 3km an einer lauten Straße entlang. Nach den letzten Tagen völliger Ruhe war das schon eine harte Strecke. Wir erreichen die Stadt, werden bis zum anderen Ende quer durch eine Einkaufsstraße gelotst, um dann zu erfahren, dass der Weg einfach so aufhört und dass es nur einen Campingplatz gibt – und an dem sind wir heute vorhin vorbei. Völlig ausgehungert bestellen wir Burger in einem Cafe und essen in Ruhe. Wir kaufen ein und laufen zurück zum Zeltplatz. Es ist der günstigste der ganzen Strecke (5,30 Pfund pro Person). Nach einigen Platzfindungsschwierigkeiten finden wir einen Platz, der auch Nat gefällt. Nun sitzen wir hinter dem Ben Nevis mit Regenbogen, haben Bier, Fritten, Carrot Cake und lassen es uns gut gehen.

In 12 Tagen haben wir nun ca 160km hinter uns gebracht. Für uns war das eine tolle Erfahrung – wir waren sicherlich nicht zum letzten Mal in Schottland. Großartiges Land. Der nächste Urlaub geht dennoch ins Warme – mit weniger Regen.

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Wir bleiben 3 Tage in Fort William und machen Tagesausflüge: wir erklettern den Ben Nevis – nicht ganz auf den Gipfel, der eh an den meisten Tagen des Jahres im Nebel steckt. Wir kommen bis zur Mittelstation. Es ist sommerlich heiß, das hatten wir auch schon lange nicht mehr. Und es herrscht ein Gedränge, wie auf der Autobahn.

Ben Nevis im Rücken

Auf dem Rückweg machen wir Halt im Ben Nevis Inn und essen ordentlich. Für Nat gibt es einen Salat mit geräuchertem Lachs und Krabben, ich bekomme einen fantastischen Burger mit Salat, Pommes und einem Carlsberg – dazu lecker Eis zum Nachtisch, später Kaffee und die Reste vom Carrot Cake. Danach wird gechillt in der Sonne.
Am letzten Tag wollen wir uns das Tal, den Glen Nevis, anschauen. Morgens hat es noch geregnet, nun ist es zwar trocken, aber der Weg ist matschig. Wir folgen einem kaum erkennbaren Trampelpfad am Fluss entlang. Die Alternative wäre die laute Straße. Wir müsse über viele Bäche hüpfen, das wird öfters zum Abenteuer. Wir balancieren auf Baumstämmen oder hüpfen von Stein zu Stein. Aber wir haben gute Laune und kommen gut voran. Und dann steht da eines von den Lang-Haar-Rindviechern vor uns, fette Hörner, und schaut uns entspannt an. Es stehe mehr Rinder im Hintergrund. Wir umrunden die Herde, stapfen durch kniehohes nasses Gras. Dann tauchen Bullen auf. Unser Umweg führt uns zum Fluss, den wir überqueren müssen. Also Schuhe aus und auf die andere Seite. Das Wasser ist kalt, Nat kreischt – was ein Spaß!


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im Glen Nevis

Wir laufen ohne weitere Zwischenfälle ins Tal. Der Weg wird immer matschiger und meine Schuhe immer nasser. Irgendwann entscheiden wir uns für den Rückweg und laufen auf der Straße zurück zum Zelt. Später sehen wir auf der Karte, dass wir kurz vor dem Ziel waren. So aber hat uns der Glen Nevis nicht überzeugen können.

Am 25.08.13 fahren wir mit dem Bus zurück nach Glasgow – die Strecke führt ziemlich am WHW vorbei. Wir sehen nochmal alle Highlights der Strecke aus einer anderen Perspektive – in 3 Stunden. In Glasgow trinken wir in Ruhe Kaffee, essen unsere letzten Burger und liegen in der Sonne im Park herum. Schließlich schlendern wir durch die Stadt in Richtung Flughafen, auf wir die Nacht auf einer Bank verbringen. Die Nacht ist nicht gerade erholsam aber wir sind voller Eindrücke und in Schottland verliebt.

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