Schottland 2013 – Teil 1

In diesem Jahr haben wir uns für einen Wanderurlaub entschieden. Zunächst war Island geplant, doch dann haben wir uns für Schottland entschieden. Nach meinen Diplomprüfungen war das genau das richtige: 12+4 Tage in den schottischen Highlands.
Kurz zu unserer Ausrüstung: Jeder hatte einen Rucksack auf. Wir hatten ein sehr gutes Zelt und Gaskocher dabei. Extra Kartenmaterial haben wir nicht mitgenommen, lediglich das schmale Buch von Hartmut Engel „West Highland Way“.

09.08.2013
Seit 7:30Uhr sind wir auf den Beinen, die letzte zwei Stunden haben wir auf dem Flughafen Schönefeld verbracht, doch nun sitzen wir im Flieger und haben die Wolken unter uns. Anstrengend. Der gestrige Tag bestand hauptsächlich aus packen: Die Rucksäcke haben momentan 11kg und 19kg. Ist klar, welcher wem gehört. Am Flughafen habe ich Geld getauscht, wollte zunächst Schwedische Pfund haben – sowohl der Kassierer als auch Nat haben sich kaputt gelacht. Sonst verlief der Flug recht ruhig, ich hab die Hälfte verschlafen. Gegen 13:30 waren wir in Glasgow. Beim Gepäckband hat sich eine schnalle meines Rucksacks mit dem Transportband verheddert, so dass ich den Rucksack nicht vom Band nehmen konnte. Ich musste Hilfe holen, ein kräftiger Ruck später war der Rucksack frei. Nat lotste uns zum richtigen Bus und eine Stunde später waren wir an der Buchanan Bus Station. Das wichtigste zuerst, Gas holen. Also ab in die riesige Einkaufsstraße. Wir finden den Laden ohne Probleme, werden freundlich begrüßt, unterhalten uns ohne Probleme mit dem Verkäufer. Und schon hier fällt einem die Freundlichkeit der Menschen auf. Gaskartusche und Mückenspray im Gepäck kümmern wir uns ums Essen. Völlig ausgehungert landen wir bei Burger King. Von Queen Station reisen wir für 3,10 Pfund mit dem Zug im Untergeschoss nach Milngavie, was sich komplett anders ausspricht. Eine halbe Stunde später erreichen wir den Startpunkt vom West Highland Way (WHW), doch beschliessen wir hier, den Campingplatz aufzusuchen. Nach 2 km erreichen wir die Bankell Farm, bauen das Zelt auf, und entspannen in der Sonne. Abends will Nat noch etwas Warmes essen, ich bin eher dagegen, aber dann einigen wir uns auf ein Gericht, bereiten alles vor, und stellen dann fest, dass die Gaskartusche nicht mit unserem Kocher kompatibel ist. Zum Glück ist uns das jetzt aufgefallen. Ich erinnere mich, dass es in Milngavie einen Eisenwarenladen gibt – dort will ich die Kartusche umtauschen.

10.08.2013 – 19km
Die Nacht ist ruhig und sehr frisch. Ich mache mir Sorgen, dass es zu kalt werden könnte oder dass wir überschwemmt werden. Die Schlafsäcke halten warm und es regnet nicht. Wir werden im Laufe des Urlaubs noch Zeugen, dass unser Zelt einiges übersteht. Kurz nach 7 Uhr sind wir wach. Das morgendliche Ritual beginnt: Packen, frühstücken, duschen. Die Reihenfolge wird sich öfters ändern. Im Gemeinschaftsraum findet Nat eine volle Gaskartusche, die wir nutzen können. Das fängt schon mal gut an. Wir laufen zurück zum Ort – diesmal am Deich entlang – kaufen Kaffee und finden den genannten Eisenwarenladen. Der Besitzer tauscht die falsche Kartusche sofort um. Großartig. Dabei kommen wir ins Gespräch. Seiner Meinung nach sollten wir den Weg ohne Probleme schaffen, gerade bei Nat mache er sich keine Sorgen, allerdings hätte er bei mir so seine Bedenken, Harhar! Wir kaufen noch etwas zu essen, wollen los wandern und finden den WHW nicht mehr – obwohl der Start in fetten Eisenlettern markiert ist. Ein älterer Herr weist uns den Weg und wir verlassen den Ort. Wälder, Ruhe, später auch Weiden, Sonne und Nieselregen. Wir kommen gut voran, die Strecke hat kaum Steigungen. Wir finden sehr viele Himbeeren auf dem Wegesrand.

Dumgoyach

Vor dem Hügel Dumgoyach finden wir Wiesen vor. Dort machen wir Pause und liegen auf dem Moosbett. Zwischendurch nieselt es sogar, aber das stört nicht. Beide merken wir die Beine und Schultern. Ständig werden die Rucksäcke justiert. Irgendwann sollte man doch die optimale Einstellung finden.
Bei einer Pinkelpause vergessen wir die Tasche von Nat – Papiere und Geld – und merken es erst 15 min später. Nat läuft allein ohne Gepäck zurück. Eine Gruppe kommt ihr entgegen und hat die Tasche dabei. Kurz vor Dumgoyne machen wir Pause im Beech Tree Inn. Nat holt sich Hühnchen mit einer Backkartoffel, ich nehme einen Cappuccino. Überhaupt verspüre ich keinen Hunger, so dass ich momentan zu wenig esse. Schlapp fühle ich mich aber nicht. Nat entdeckt einen Splitter in ihrem Finger. Beide versuchen wir es rauszuholen. Trotz scharfem Messer, Taschenmesser, Pinzetten und Seifenwasser bleibt es im Finger. An vielen Weiden und eher an Brandenburg erinnernden Landschaften ziehen wir weiter. Die letzten zwei Kilometer bestehen aus Hügeln. Das wird anstrengend. Zuletzt erreichen wir die Easter Drumquhassle Farm. 10-15 Zelte sind hier aufgeschlagen. Es ist sehr ruhig und der kurze Regenschauer ist der Sonne gewichen.
Nach 19km merke ich meine Schienbeine und das Becken. Meine Schultern meckern.

in der Nähe von Drymen

11.08.2013
Wir haben beide recht schlecht geschlafen. Nat war überdreht und ich horchte dem Regen. Ich werde noch einige Tage brauchen, um ruhig schlafen zu können. Punkt 7:00 bin ich auf den Beinen, der Regen hat sich verzogen. Es wird den ganzen Tag so bleiben. Gegen 10:00 sind wir in Drymen. In einem kleinen Laden kaufen wir Sandwiches und einen kleinen Karottenkuchen. Ich bringe der Verkäuferin bei, dass ich eine Nadel suche. Sie findet eine Sicherheitsnadel und desinfiziert sie mit Hilfe des Kaffeeautomaten. Draußen essen wir und Rambo-Nat holt mit Hilfe der Sicherheitsnadel endlich ihren Splitter aus dem Finger. Auf der anderen Straßenseite finden wir sehr leckeren Kaffee. Und los geht der zweite Wandertag. Zunächst laufen wir entlang einer Landstraße, dann tauchen Wiesen auf, der Straßenlärm verschwindet. Und auch heute finden wir viele Himbeeren. Wir lernen die erste Deutsche kennen, die allein den WHW bewandert. Sie erzählt ein wenig über den Jacobs-Weg, doch dann verlieren wir uns aus den Augen. Es folgen große Flächen abgeholzten Waldes, wodurch wir einen großartigen Ausblick auf Loch Lomond und den Conic Hill haben. An einem kleinen Teich ziehen wir die Schuhe aus, lassen die Füsse ins Wasser und sind vom Ausblick begeistert. Die Sonne scheint, im Westen regnet es. Weiter geht es. Während Nat mit ihren Rucksackgurten beschäftigt ist, kreuzt ein Reh unseren Weg. 5 m entfernt, das ganze dauert eine Sekunde.

Burn Of Achlais
auf zum Conic Hill

Wir erreichen den Nationalpark, sind von der Landschaft begeistert. Heute sehen wir Schottland, wie wir uns das Land vorgestellt haben. Der WHW klettert stetig auf den Conic Hill. Mit dem Gepäck schuften wir ordentlich. Mit vielen kleinen Pausen und Riegeln erklettern wir den Hügel. Kurz vor dem Gipfel verstecken wir die Rucksäcke im Gras und laufen bis zum Gipfel. Es ist kalt und der Wind pfeift ordentlich aber die Aussicht ist fantastisch.

Blick auf den Loch Lomond

Wir essen den Kuchen auf, machen Fotos und klettern wieder runter. Der Abstieg ist sehr anstrengend. Nat brennen die Füsse, meine Schienbeine meckern und ich habe Blasen an den Füßen. Hinzu kommt, dass auf der Seite des Hügels sehr viele Leute unterwegs sind. Das war heute Vormittag viel ruhiger.
Ganz langsam bringen wir den Abstieg hinter uns. Gegen 17:00 Uhr sind wir im Pub in Balmaha, Nat hat eine Schokolade, ich ein eiskaltes Bier. Am Tresen beim Bestellen fragte ich den Herren vor mir, ob sein Ale ihm schmeckt – ich kenn mich ja nicht aus – worauf ich an seinem Getränk nippen durfte. Eine halbe Stunde später bestellen wir uns etwas zu essen, Nat bekommt einen Burger, ich probiere Haggis. Wir sind beide zufrieden und gestärkt und wandern durch den Wald bzw. am Loch Lomond bis zum Campingplatz. Natürlich regnet es wieder. Aber wir sind beide völlig fertig und schlafen recht gut in unserer Festung.

12.08.2013 – 17km
Es regnet nicht mehr, die Sonne knallt – es ist fast zu heiß. Ich unterhalte mich mit einem Bayern, der stolz erzählt, dass sie die bisherige Strecke – satte 34km – an einem Tag geschafft haben. Mehr würden sie auch nicht schaffen. Ich zweifel ein wenig an uns. Wir sind beide geschafft, gerade der Conic Hill hat uns platt gemacht. In den Reiseberichten wird davon nichts erzählt. Wir lassen es heute sehr langsam angehen. Viele kleine Steigungen warten auf uns, Regen und Sonne wechseln sich ab. Im Ross Wood finden wir Massen von Blaubeeren. Natürlich machen wir eine Pause zum essen. In einer der vielen Buchten pausieren wir ebenfalls. Schuhe aus und Füsse ins Wasser. Irgendwann werden wir von einer achtköpfigen Gruppe überholt, die recht flott aber voll bepackt an uns vorbei zieht. Jetzt zweifeln wir wirklich an uns.
Schliesslich erreichen wir Rowardennan und an der schönen Jugendherberge machen wir Pause. Die Sonne scheint. Wir haben Kaffee und Sandwiches. Dabei lernen wir zwei deutsche Jungs kennen, die ebenfalls aus dem letzten Loch pfeifen. Sie hätten den Weg unterschätzt, brechen den WHW ab und wollen mit dem Bus auf der anderen Seite vom Loch Lomond weiter fahren. Wir tauschen uns aus und sind ehrlich gesagt froh, dass wir nicht die einzigen sind. Und dann kommt die achtköpfige Truppe an. Auch deutsch. Die Hälfte von ihnen ist völlig fertig. Und es ist ihr erster Tag. Lange debattieren sie, wie es weiter gehen soll.
Für uns beide ist der Wandertag fast zu Ende. In 300m soll es eine ausgewiesene Zeltmöglichkeit geben – im Nationalpark ist zelten sonst verboten. Als wir nach der langen Pause an der gewünschten Stelle ankommen, steht dort ein Schild, dass zelten aufgrund von Vandalismus verboten ist. Aber 1,6 Meilen weiter hört der Nationalpark auf. Den Plan, Ben Lomond am nächsten Tag zu besteigen, verwerfen wir. Wir können nirgendwo übernachten, so dass Kraftmangel nicht der einzige Grund ist.
Gut gestärkt laufen wir los. Der Weg verzweigt sich. Es gibt einen kaum zu sehenden Weg am Wasser, schwierig. Und es gibt einen einfachen Höhenweg. Wir entscheiden uns für den einfachen Weg, und stellen später fest, woher der Höhenweg seinen Namen hat. Es geht lange bergauf, manchmal begab .. wir haben viele Hügel zu überwinden, dafür haben wir aber schöne Aussichten.

durch den Wald

Die Sonne scheint die ganze Zeit. Es ist zwar sehr anstrengend, aber wie kommen gut voran und haben eine schöne Zeit. Gegen 20:00 finden wir einen schönen Platz 10 m vom Wasser entfernt. In der Nähe plätschert ein Bach. Wir bauen das Zelt auf, essen warm und fallen müde in unsere Schlafsäcke.

13.08.2013 – 16km
Das erste mal wildcampen. Wir haben einigermaßen gut geschlafen. Keine Spuren von Regen. Seit 6 bin ich auf den Beinen. Entspannt und ausgeruht geht es auf einem schmalen Pfad durch den Wald nach Iversnaid. Wir wollen die 4km hinter uns bringen und dort ordentlich frühstücken. Am Hotel angekommen, gibt es dort kein Essen, aber 800m weiter – abseits des WHW – soll es ein Bunkhouse geben, in dem man preiswert und gut essen kann. Wir machen diesen Umweg, quälen uns regelrecht die Steigung hoch und kommen japsend an einer umgebauten Kirche an. Das ist das Bunkhouse – schick. Es ist zwar offen, aber auch hier gibt es kein Essen. Wir sind beide fertig. Mit einer Notsuppe und Sandwiches wird uns ausgeholfen. In dem Moment ist es das beste Essen, was wir je gegessen haben. Toastbrot angeröstet mit geschmolzenem Käse und Schinken. Dazu eine Karottensuppe. Boah, wie lecker.
Wir klettern langsam runter zum Hotel und schlafen dabei fast ein. Am Hotel trinken wir Kaffee und erfahren, dass es jetzt auch Frühstück gibt. Ironie. Manchmal verstehen wir nicht wirklich, was die Menschen hier sagen. Dafür ist der Kaffee phänomenal und günstig. Ich werde sofort wach, Nat braucht noch ein Weilchen. Laut Hartmut liegt vor uns das schwierigste Stück des Weges. Zunächst geht es auf einem ausgetretenen Pfad durch den Wald. Das Wetter ist toll, der Untergrund immer felsiger. Wir müssen öfters über Wurzeln und große Felsen klettern. Großartiger Weg aber die Beine machen sich bemerkbar. Den halben Tag sind wir am klettern. Oft machen wir eine Pause in den vielen Buchten und lassen die Füsse ins Wasser.
Hinter der Doune Bothy bauen wir den Kocher auf und essen zu Mittag. Es fällt recht wenig aus, da gibt es Verbesserungen durchzuführen.
Heute hatte man öfters das Gefühl, im Süden zu sein. Nat sprach von Äquador. Mannsgroße Farne am Weg, im Hintergrund die Berge, Wasser und Sonne. Alles nur nicht Schottland.

West Highland Way

Die Abendstunden sind anstrengend. Wir klettern den Dubh Lochan hoch und haben wieder ne schöne Aussicht. Der Loch Lomond verabschiedet sich, dafür zeigen sich die Berge und wie haben keine Kraft mehr.

Loch Lomond

Wir erreichen endlich die Beinglas Farm – hier zelten wir heute. Nach dem Zeltaufbau geht es in den Pub. Dort werden Burger bestellt und das Bier lächelt uns an. Wir sind fertig und glücklich.

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