Lappland 2016 – Teil 1

Diesmal geht es für drei Wochen in den Norden Europas. Wir haben uns für die Sicherheit und bequeme Anfahrt Lapplands entschieden. Mit dem Flieger geht es nach Stockholm. Von dort nehmen wir den Nachtzug im Liegewagen und steigen in Abisko aus. Vergleiche mit Grönland lassen sich nicht vermeiden.

26. Juli 2016

Es geht endlich wieder los. Wir sitzen im Flieger auf dem Weg nach Stockholm. Bei der Gepäckabgabe gab es Probleme mit dem Drucker. Die Rolle musste mehrmals getauscht werden. Die Erfahrungen des letzten Urlaubs (La Palma) stecken uns noch in den Knochen: Unsere Koffer kamen nie im Hotel an. Diesmal sind wir wieder mit Rucksack und Zelt unterwegs. Wir sind ein wenig nervös. Die Rucksäcke sind auch diesmal ziemlich schwer. Beide haben wir mehr als 20kg auf dem Rücken: die Nahrung soll für drei Wochen reichen. Diesmal hat jeder Tag eine eigene Tüte. Zusätzlich kann man wohl unterwegs Nahrung kaufen.
Wir landen ohne Probleme in Stockholm – auch die Rucksäcke schaffen es. Mit einem Bus kommen wir bequem zum Hauptbahnhof. Die Fahrt dauert 40 Minuten. Dort schließen wir die Rucksäcke ein und haben fast den ganzen übrigen Tag für eine Stadtbesichtigung. Wir kaufen Gaskartuschen und Mückenzeug, essen warm und trinken in der Sonne ein Bier. Zum Nachtisch gibt es ein riesiges Softeis. Nat scheitert am Eis, die Hälfte zerfließt und landet auf dem Boden. Momentan sind alle im Pokemon-Fieber. Wir sitzen im Park und sind schockiert über die Massen an Menschen (jung, alt, groß, klein), die in Rudeln mit Smartphones und vielen Kabeln ausgestattet durch die Stadt pilgern.

Stockholm

Aus Sonnenwetter wird gen Abend Regenwetter. Um 18:00 sitzen wir in unserem eigenen Abteil mit Betten und Waschbecken. Das ist luxuriös.

Schlafwagen

Und es gibt nichts schöneres als schaukelnd einzuschlafen.

27. Juli 2016 – Tag 1

Was für eine Art zu reisen! Nach fast 10 Stunden Schlaf frühstücken wir im Speisewagen. Wir haben fast 2 Stunden Verspätung. Wir packen die Rucksäcke um und nutzen die restliche Zeit zum lesen. Draußen regnet es. Nach Kiruna lichtet sich der Wald und wir bekommen einen Ausblick auf die kommenden Wochen.
Gegen 16:00 steigen wir in Abisko aus. Mit gefühlt hundert anderen Wanderern steuern wir den Kungsleden an. Alle halten am berühmten Holztor an und machen ein Foto. Im Internet sehen die Bilder immer so einsam aus, hier herrscht ein Gedränge!
Fast den ganzen Nachmittag und Abend laufen wir durch ein Wäldchen. Bei Feuchtwiesen liegen Holzplanken auf dem Boden – verglichen mit Grönland ist das ein Spaziergang. Kein Wunder, dass so viele hier langlaufen. Wir werden überholt und überholen andere. Man kennt sich.

Holzplanken

Eine Stunde nach Beginn der Wanderung fängt es an zu regnen. Wir sind top ausgerüstet: Wie alle anderen ziehen wir Regenhosen und -jacken an. Nass, verschwitzt und japsend stapfen wir voran. Es wird sehr anstrengend. Beide müssen wir an Grönland denken. Auch vor einem Jahr hatten wir große Probleme mit unseren Rucksäcken. Nun kommt aber eine zusätzliche Schwierigkeit: Wir sind in einem Nationalpark und dürfen nicht zelten.
Wir pausieren und hocken im Regen. Nach ca. 14 km können wir die Jugendherberge auf den anderen Seite des Sees Abiskojaure sehen. Wir suchen uns eine geschützte Stelle und bauen das Zelt auf. Es ist 22:30 Uhr. Es bleibt hell.

Erste Nacht

Wir sind ziemlich fertig. Beide haben wir Probleme mit dem Becken. Die Füße und Beine tun weh. Dafür sind wir in Schweden!

28. Juli 2016 – Tag 2

Morgens sehe ich der Nähe ein weiteres Zelt. Wir sind nicht die einzigen, die hier übernachten. Nach der üblichen Routine brechen wir auf und es dauert einige Zeit, bis die schmerzenden Glieder und Gelenke aufhören zu brüllen. Schmerz wird zum heutigen Motto. Das ganze wird mit einer wunderschönen Landschaft versüßt. Berge, Täler, Schnee auf Gipfeln. Es sieht in der Tat aus wie in Grönland – allerdings ist es hier voller.

Berge hoch

Wir machen viele Pausen und schleppen uns Berge hoch. Nat tun die Füße weh. Mir tut alles weh. „Was tue ich hier eigentlich?!“, fragt Nat. Ich brauche nur die Landschaft zu sehen und bin zufrieden. Allerdings ist wieder die Frage da, was wir falsch machen. Natürlich haben wir viel zu Essen dabei. Es wird mit der Zeit weniger. Glücklicherweise sehen wir andere Wanderer, denen es teilweise ähnlich geht.

Gegen 17:00 Uhr finden wir eine grandiose Stelle. Nicht zu weit vom Wanderweg entfernt – nicht zu nah. Eine riesige Herde Rentiere begrüßt uns.

Rentiere

Toll! Wir werden aber auch von Mücken begrüßt. Massen davon. Das Mückenzeug wirkt ganze zwei Minuten. Wir haben die Netze dabei.
Zum Abendessen gibt es gelbe Linsen mit Tomatensuppe. Lecker!

Landschaft

29. Juli 2016 – Tag 3

Wir schlafen fast 12 Stunden – das tut gut. So lange die Rucksäcke schwer sind, werden wir die Kalorienbomben verbrauchen. Und es funktioniert. Wir laufen los und durchqueren ein grandioses Tal in Richtung Alesjaure. Nat hat sich beim Heben des Rucksacks eine Zerrung an der Schulter zugezogen. Ich muss ihr beim Aufsetzen helfen. Dann geht es mit dem Tragen.
Mittlerweile haben sich die Massen der Wanderer zerlaufen. Wir sehen ein einzelnes Paar Wanderer in der Ferne. Die Sonne scheint, es ist schön. Trotzdem merken wir die Strapazen der letzten Tage. Wir haben ordentlich Zeit und sind völlig ungebunden.

Füsse im See
Pause am See

Nachmittags um 4 fängt es an zu nieseln.

Dunkele Wolken

Wir überqueren einen Fluss und bauen weiter oben das Zelt auf. Wir kochen Essen und trinken Tee. Dabei schütte ich mir kochendes Wasser über die Hand. Es fängt an zu regnen und wir hocken im Zelt.
Später kommt wieder die Sonne raus. Übermütig waschen wir uns im eiskalten Wasser – wie gut das tut!

Regenbogen

30. Juli 2016 – Tag 4

Wir schlafen super – obwohl der tosende Fluß sehr laut ist. Die Sonne scheint morgens, ein toller Morgen.

Sonnenschein

Wir erreichen die Hütte Alesjaure, wo Nat sich Chips und Schokolade besorgt.

Alesjaure

Es ist das letzte mal für heute, dass wir Menschen sehen. Wir verlassen den Kungsleden und laufen nach Osten in Richtung Vistas. Dabei kommen wir noch an einer kleinen Siedlung vorbei.

2016 Schweden

Wir müssen klettern, werden aber mit Ausblicken belohnt. Vieles erinnert uns an den ACT: grandiose Täler, Seen und vor allem keine Menschen. Dafür liegt ein Geocache auf unserem Weg.

Vistas
auf einem Felsen
2016 Schweden
Vor dem Abstieg

Wir klettern runter in ein Tal, wo wir uns ohne T-Shirts ins saftige Gras legen und uns die Bäuche von der Sonne wärmen lassen.

auf der Wiese

Nach einem Wasserfall und einer Hängebrücke suchen wir einen Platz zum Zelten.

Nat auf der Hängebrücke

Nat ist platt und ich bin froh über das Ende. Kaum steht das Zelt, fängt es an zu regnen. Also wird drin gekocht, draußen stürmt es. Auf der anderen Flussseite zieht eine riesige Herde Rentiere vorbei. Mindestens 20 Tiere sehen wir.

Vistas #4

Unsere Liegefläche ist furchtbar. Wir schlafen schräg auf einer Kuppel. Unsere Rücken tun weh und wir schlafen beide schlecht.

31. Juli 2016 – Tag 5

Eine furchtbare Nacht! Draußen stürmt es – aber es regnet nicht, als ich mit Schmerzen aus dem Zelt krabbele. In der Ferne sehe ich wieder Rentiere. Und die Berge um uns herum sind von Wolken verhüllt. Ein imposanter Anblick.
Wir frühstücken und Nat legt sich dann wieder schlafen. Die Wolken ziehen immer wieder vorbei, aber es regnet zum Glück nicht.
Mittags brechen wir auf. Die Landschaft ist heute sehr vielfältig.

Nat holt Wasser
Würfel

Natascha

Vistas #3

Clouds

Janne

Es gibt Berghänge, die aus Geröll bestehen. Darüber müssen wir klettern – und erinnern uns sehr an die Diskoinsel. Später tauchen wieder Bäume auf – so wandern wir durch ein Wäldchen und müssen an Schottland denken.

Wäldchen

Wir laufen immer an einem Fluss entlang. Dieser gabelt sich allerdings in viele kleine Arme. Zwei davon müssen wir durchqueren.

Vistas

Der Grund sieht sandig aus, aber als ich ins Wasser steige sinke ich tief im Matsch ein. Meine Crocks bleiben irgendwo tief stecken. Ich laufe also Barfuß auf die andere Seite und finde dort eine geeignetere Stelle. Was für eine Arbeit! Es folgen Wiesen und Feuchtwiesen ohne Bretter (!) Aha, wir sind ja nicht mehr auf dem Kungsleden.
Dann wird es waldiger, felsiger und anstrengend. Wir sind müde, haben wenig geschlafen und obwohl die Rucksäcke immer leichter werden, tut alles weiterhin weh. Auf der anderen Seite ist die Landschaft atemberaubend.
Es nieselt vor sich hin, das ist recht angenehm. Und so stapfen wir durch den Wald und plötzlich haben wir die Vista-Hütte vor uns. Wir machen hier Pause, kochen Tee. Vergeblich suchen wir einen Cache. Schade.
Es ist kurz nach 18:00 Uhr. Wir werden verwundert gefragt, warum wir denn weiter ziehen, statt uns in der Sauna zu wärmen. Warum eigentlich?
Kurz hinter der Hütte sehen wir wieder ganz viele Rentiere. Herrlicher Anblick.

Rentiere

Wir klettern noch ein wenig aufwärts gen Westen in Richtung Nallu. Kaum haben wir eine Stelle zum zelten ausgemacht, fängt es an zu regnen. Wir bauen fix das Zelt auf, Nat kümmert sich um die Inneneinrichtung, ich klettere runter zum reißenden Fluss und hole Wasser. Den Wasserfall hören wir noch im Zelt. Auf der anderen Seite sind wieder Rentiere.

Vistas

Die Berge um uns herum sind von Wolken umhüllt. Es sieht sehr gespenstisch aus.

Spooky

01. August 2016 – Tag 6

Zur Abwechslung regnet es bis 14:00 Uhr. Wir nutzen die Zeit und schlafen, ruhen uns aus, lesen und schlafen. Draußen windet und tropft es. Und immer wieder sind Rentiere in der Nähe. Nat hat sogar direkt beim Zelt welche gesehen.

Nat und Rentiere

Die Moral sinkt. Alles ist klamm. Und wir haben so eine grandiose Landschaft um uns herum.

Wolken

Wir nutzen eine Regenpause und brechen auf. Auch hier begleitet uns eine neugierige Herde. Wir laufen in Richtung Nallo. Das Tal besteht hauptsächlich aus Wolken, Steinen und Feuchtwiesen. Wir haben schon schlimmeres erlebt. Anstrengend ist es aber dennoch. Auch die fetten Geröllfelder machen uns zu schaffen – vor allem die Kombination aus Regen und rutschigen Steinen ist gefährlich.

Steine

Nässe

Das ganze wird abgerundet von der Überquerung eines Gletscherbachs. Selbst meine Füße schmerzen, so kalt ist das.

Kalt

Barfuß

Und zuletzt fängt es an zu schütten. Es ist kalt und nass. Kurz vor der nächsten Hütte – wir können sie in der Ferne sehen – bauen wir das Zelt auf und suchen Schutz.

02. August 2016 – Tag 7

Ich werde vom Regen wach und schlafe sofort wieder ein. Mein dünner Daunenschlafsack hält warm, obwohl es bisher die kälteste Nacht war. Aber auch Nat hat die Nacht gut überstanden.

Nallu

Wir ziehen los Richtung Hütte. Neben uns ragt der Nallo auf. Wir müssen einen sehr breiten Fluss überqueren: Es heißt von Stein zu Stein hüpfen.

Fluss vor Nallostugan

Der auf der Karte eingezeichnete Pfad ist nicht zu finden, also klettern wir querfeldein. Es ist anstrengend.

Pause

Gräser weichen und wir erreichen eine Kraterlandschaft voller Felsen und Steine. Hier sind wir im Hochgebirge. Große Schneeflächen liegen hier.

Schnee

Steiniger Weg

Und tolle Aussichten. Es nieselt immer mal wieder und hinter uns werden neue Wolken heran gepustet. Hinter einem Felsen finden wir Schutz, kochen Tee und ruhen uns aus.

Ein reissender Fluß wird überquert – den dazu gehörenden Gletschersee sehen wir vor uns. Es ist eiskalt.

Nat im FLuß

Weiter oben ist ein schneebedeckter Pass, den wir heute noch erreichen wollen. Der Pass selbst ist voller Wolken. Die Aufstiege hinter uns, das Wetter und die fehlende Kraft machen uns deutlich, dass wir es heute nicht weiter schaffen. Wir drehen um zu einer passenden Stelle am See und bauen das Zelt auf.

Abendsonne

Zeltplatz

Wir werden heute mit einem exquisiten Ausblick auf den See schlafen. Hinter uns ist der Nallo.

Es nieselt ein wenig, hört aber auf. Ich mache einen kleinen Ausflug weiter hoch und genieße die weite Aussicht.

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Im Gebirge

Abends kommt die Sonne dann richtig raus:

Regenbogen

03. August 2016 – Tag 8

Ich schlafe auf einem Hügel und mein Rücken meckert. Draußen ist es windstill. Es regnet natürlich. Die Wolken hängen über uns und regnen ab. Der heutige Pass liegt weiterhin vor uns verborgen. Wir frühstücken in Ruhe und lesen.
Gegen Mittag brechen wir bei Nieselregen auf. Die Sonne scheint immer wieder. Der Weg besteht aus Felsen, groß, klein, manche wackeln, viele sind fest. Manche sind rutschig. Das Hüpfen geht los. Der Weg besteht aus Geröll.

Geröll

Alles besteht aus Geröll. Wir erreichen den Aufstieg, der auch aus Geröll und Felsen besteht. Wir müssen über große und kleine Steine klettern. An uns fließt ein Bach vorbei, zur anderen Seite sind große Schneefelder. Wir mühen uns zwei Stunden mit klettern ab.

Klettern

Zum Glück regnet es nicht. Wir erreichen ein kleines Plateau. Hier machen wir Pause. An dieser Stelle hat unsere Expedition ein Tief. Laut Karte können wir nicht sagen, wie lange der Weg so bleibt. Wir müssen mindestens nochmal zwei Stunden klettern und oben ist die Beschaffenheit des Wegs keinesfalls klar. Beide sind wir müde. Ich sehe keinen Sinn darin, weiter zu klettern. Nat will nicht umkehren, ist allerdings auch sehr fertig.

2016 Schweden

Ein Tee, Pemmikan und Riegen steigern sofort die Moral. Wir packen einiges in mein Rucksack. Es geht wieder abwärts. Gemeinsam stützen wir uns und kommen sicher unten an. Ich laufe vor, um das Zelt aufzubauen. Ich hoffe, dass niemand „unsere“ Stelle in Beschlag genommen hat. Es fängt an zu schütten. Meine Beine meckern, der Rucksack wiegt Tonnen. Ich erreiche die freie Stelle und baue das nasse Zelt im Regen auf. Innen ist alles nass. Kaum bin ich mit wischen fertig, erreicht Nat das Zelt.

Endlich unter einem Dach. Wir machen Essen. Zum Nachtisch gibt es Pudding. Lecker!

Die Sonne lacht

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